Historisches zum Torhaus

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David Doringk von Lucas Kilian,(1630. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. A 1986, 2; Leblanc; Singer 6931)

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Geprägte ovale Kupfermedaille mit Vergoldungs- resten  (1633, a.d. kursächsischen Rat. Av: DAVID DÖRINGK IC IN..., Brb. des Kämmerers in 3/4 Profil. Rv: PATIENTA REMEDIUM OMNIUM MALORUM, Wappen von dreischwänzigem Löwen und Palme sowie Ritterhelm mit reichem Rankenwerk überhöht. vgl. Meerseb. 4495. =42,58g=II )

Rittergut Böhlen (bei Grimma)

Unser Clubhaus ist das obere Torhaus des ehemaligen Rittergutes Böhlen bei Grimma. Die von uns in größerem Umfang ausgeführten Werterhaltungsmaßnahmen 2012, sind eigentlich der Anlass, sich mal über die Geschichte des Rittergutes  zu informieren. So auch eine Deutung der Widmung am oberen Torhaus

Im Jahre 1393 wurde nord-östlich von Grimma ein Allodium erwähnt [1] . Dieses befand sich im Dorf Böhlen, welches 1937 zu Hohnstädt eingemeindet wurde und seit 1952 zu Grimma gehört. Das Dorf selbst hatte verschiedene Namen, die sich im Laufe des Bestehens änderten [3].

  • 1393 : Belin
  • 1444 : Belyn
  • 1514/29 : Belen
  • 1595 : Böhlen
  • 1875 : Böhlen b. Grimma 

Mitte des 16.Jahrhundert (1551) ging das Allodium zu einem Vorwerk über und wurde im Jahre 1606 zu einem Rittergut.

 

Herrschaften auf dem Rittergut Böhlen

Besitzer des Rittergutes gab es einige:

  • 1638 David v.Döring (+ 1638)
  • 1681 David Friedrich v.Döring (+ 1689)
  • 1689 Ernst Friedrich v.Döring auf Hohnstädt und Großsteinberg (+1742)
  • 1724/64 v.Metzsch Brüder
  • 1793 C.F. v.Metzsch
  • 1819 F.A. v.Lobkowitz
  • 1844/56 T.H.G. Leuckardt
  • 1859 Edlen v.der Planitz
  • 1895 Johannes Schroeder
  • 1910 Paul Jacob
  • 1945 Enteignung nach 1945 Abriss des Schlosses

Bekannteste Besitzer waren die von Döring (von Döringk) und hier besonders Dr. David Döring.

  Dr. Döring hatte im Lauf seines Lebens  unterschiedliche Rittergüter besessen. Da wären u. a.-. Belgershain, Seelingstädt und zuletzt Böhlen bei Grimma.
  Geboren wurde David Döring am 14. August 1577 nachmittags in Zeitz- Sein Vater; Valentin Döring, war Ratsherr und Landrichter zu Zeitz und später Amthauptmann zu Grimma. Seine Mutter Maria war die Tochter von Christoph Lotter, des kursächs. Amthauptmanns in Wurzen und Delitzsch.
  Döring besuchte die Schule in Zeitz und die Fürstenschule in Pforta. Ab 1593 studierte er in Leipzig 5 Jahre Rechtswissenschaften. Nach einem weiteren Studium im Jena promovierte er dort 1603 zum Dr. jur. Vorher hatte er noch 1602 in Grimma Euphrosine, geb. Eulenböck, geheiratet und in diese Ehe wurden 14 Kinder geboren, davon 10 Söhne und 4 Töchter. Bei seinem Tod waren 2 Söhne bereits verstorben.
  Seine Tätigkeit nach dem Studium begann er in Zeitz und wurde 1609 in Dresden Hofrat sowie an das Appellationsgericht in Dresden berufen. Die Karriere, die er als Günstling des Kurfürsten Johann Georg 1. startete, setzte er 1617 als Kammerrat und 1630 als Kammer- und Bergrat fort.

  Döring vertrat trotzdem Sachsen 1634/35 u. a. bei den Friedensverhandlungen in Prag und wurde in dem Jahr vom Kaiser geadelt. [6]

  Als Dr. David Döring 1614 Belgershain kaufte und alsbald wieder verkaufte, behielt er Großsteinberg und zog es zum Rittergut Böhlen.
  Durch ein Rescript erhielt 1617 der kurfürstliche Kammerherr Dr. David von Döring vom Kurfürsten Johann Georg I. die Genehmigung, u. a. auch von Großsteinberg die Zinsen einzutreiben, das bedeutete außer Geld, Korn, Hafer ..., Vieh zu liefern und auch Handdienste zu leisten.

   Auf dem Landtag zu Torgau 1628 forderten Teile der Ritterschaft und die Stände seine Abberufung, da er ständische Rechte verletzt und als Schuldenkommissar den Konkurs der Stadt Leipzig verschuldet hätte. Die folgenden von Döring veranlassten 36 Beleidigungsprozesse endeten 1631 mit einem Vergleich.

Döring war ein großer Verschwender. Während die Bauern im 30jährigen Krieg Not und Elend erlitten, häufte er ungeheuren Reichtum an. Als er 1638 auf Rittergut Böhlen starb, hinterließ er u. a. 17 goldene und 71 silberne Bildnisse, die er von sich anfertigen ließ, 362 goldene und silberne Becher, 22 goldene Ketten usw.
Das Döringsche Wappen befand sich in der Kirche Großsteinberg.
  Der 30jährige Krieg (1618-48) verschonte auch Großsteinberg nicht, aber erst in den Jahren ab 1630. Wahrscheinlich ist in dieser Zeit auch die Mark Clade dem Erdboden gleichgemacht worden (heute nur noch als Flurname an der Naunhofer Ortsgrenze). Um 1617 muss sie noch existiert haben, denn Döring erwarb die Gerichte vom Vorwerk Sorge und Clade. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist 1632 Wallenstein mit seinem Heer auch durch Großsteinberg gezogen, als er von Grimma über Naunhof nach Leipzig marschierte. Sicher führte auch der Weg der Leiche des Schwedenkönigs Gustav Adolf, begleitet von 400 Reitern, von Grimma – Naunhof nach Leipzig über Großsteinberg.
  1632 plünderte und brandschatzte Wallensteins General Holk die ganze Umgebung von Grimma..

1693 übernahm der Sohn David Dörings, Adam Friedrich, das Großsteinberger Gut, das ein Hofmeister verwaltete (z. B. Sprengel 1670). Ein Enkel, David Ernst Friedrich von Döring, der Hohnstädt erbte, nahm Böhlen und Großsteinberg zu Hohnstädt. Nicht alle Feudalherren verwalteten ihre Güter selbst, sondern setzten Pächter ein, so um 1740 Christoph Dürr, 1754 Gottfried Schaufuß in Großsteinberg.

1787 verkaufte Döring Großsteinberg an Johanna Christina Loth in Leipzig (bis 1700 war der Erwerb eines Rittergutes nur dem Adel erlaubt, von da durften auch Bürgerliche, wenn sie Geld hatten, Rittergüter kaufen). [7]

Kurz vor seiner Entlassung 1638 wegen Krankheit aus den Staatsdiensten erhielt er noch 1637 den Ehrentitel eines Geheimen und Kammerrates.

Dr. David von Döring starb am 14.09.1638 im After von 61 Jahren in Böhlen bei Grimma und wurde in der Kirche von Hohnstädt beerdigt.

Verweise

      Das Allod (mittellateinisch Allod oder Allodium, althochdeutsch für “Gesamtbesitz”, auch Eigengut oder Erbgut, oder freies Eigen, bezeichnete im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Recht einen Besitz (fast immer Land oder ein städtisches Grundstück), über den dessen Eigentümer (der Erbherr oder die Erbfrau) frei verfügen konnte.   Der Besitz war somit nicht an Leistungen oder Verpflichtungen des  Inhabers gegenüber anderen Personen gebunden. Ein Allod konnte gemäß dem landesüblichen Recht frei vererbt werden. Ursprünglich waren von den  Einkünften aus Allodialgütern nicht einmal Steuern an den Landesfürsten zu entrichten.

       

      Ein Vorwerk ist ein landwirtschaftlicher Gutshof oder ein gesonderter Zweigbetrieb eines solchen. Der Begriff hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach in seiner Bedeutung geändert und kann daher auf verschiedene Art verwandt werden.
      Ursprünglich lagen die zugehörigen landwirtschaftlichen Güter meist außerhalb von und unmittelbar vor Befestigungsanlagen oder Burgen und wurden daher häufig als „Vorwerk“ bezeichnet

      Quellen

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Familienwappen

D.D.D.D. anno 1628

omnium malorum.

simb. patientia remedium

simb. patientia remedium omnium malorum.
simb. Geduld ist das Heilmittel für alle Übel.

patientia = Geduld
remedium = Abhilfe
omnium = alle
malorum = von


aber auch:
patientia remedium = Geduld ist die Heilung
omnium malorum = allen Übels

Über dem Torbogen befindliche Widmungstafel mit altlateinischer Inschrift

Restaurierte Inschrift

Versuch einer Deutung der Widmung

So wäre möglich gewesen (Mittelalter-Latain):

D.D.D.L.M Anno 1628
donum dat dicat dedicat libens merito anno 1628
Ich bin froh zu sagen, er widmet (das Verdienst) , das Geschenk im Jahre 1628

donum = Geschenk
dat = gibt
dicat = sagen
dedicat = Es wurde geweiht
libens = ich bin froh
merito = verdienen
anno = im Jahre

und mit der heutigen latainischen Schreibweise:

D.D.D.D
decreto decurionum dono dederunt anno 1628
Dekrete der Richter gab das Geschenk im Jahre 1628

decreto = Dekret
decurionum = Senatoren, Richter
dono = Geschenk
dederunt = sie
 

oder auch:

D.D.D.
1 D = In Anbetracht, gewidmet ist, und
2 D = Gott hat die Gabe,
3 D = Die Gabe der Frömmigkeit
bis 4 D = In Anbetracht, gewidmet

oder (und etwas verständlicher bezüglich seines Rechtsstreites)

D.D.D.D. ANNO 1628
simb. patientia remedium omnium malorum.                                                                         

In Anbetracht, gewidmet 1628              Glaubensbekenntnis an die Geduld auf eine Heilung für allen Übel.

und jetzt

D.D.D.D. ANNO 1628                                                                    simb. patientia remedium omnium malorum.

In Anbetracht, gewidmet 1628
Geduld ist das Heilmittel für alle Übel.

D.D.D.L.M Anno 1628

 Simp patientia remedium omnium malorum.

 Ich bin froh zu sagen, er widmet (das Verdienst) , das Geschenk im  Jahre 1628                                            Geduld ist immer ein Heilmittel gegen alle Übel

So lässt sich die Inschrift als Gesamtes verschiedentlich deuten, des Sinn aber bleibt der Gleiche.

Das Rittergut Böhlen 2012

 

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